Höllenhund

Talwege gibt es in der Sächsischen Schweiz viele, doch der am Höllenhund hat einen Ruf wie wohl kein zweiter. Ein Megaklassiker eben.

Der Höllenhund (helle Wand, linke Seite)

Der Höllenhund (helle Wand, linke Seite)

Schon vor etwa vier Jahren, als ich in Absprunghöhe, kletternder Weise in der Rabenschüssel unterwegs war, sagte mir ein Jenaer Local und Elbsandstein-Anhänger, dass ich doch unbedingt mal den Talweg am Höllenhund (VIIIa) machen sollte.

Tobi und ich bestaunen die große Wand

Tobi und ich bestaunen die große Wand

Nun ja, damals hab ich noch nicht mal verstanden was er eigentlich von mir wollte, geschweige denn, dass ich fit genug gewesen wäre, mental gesehen, um eine 70m hohe Wand, in Sachsen, ohne Chalk, mit traditioneller Sicherung an Schlingen, zu klettern.

Teil 1
Dieses Jahr, nach einigen schweren Sportklettereien, einer durchzechten Nacht bei Olli in Dresden und vorlauten Worten meinerseits geht`s zum Höllenhund.
Auf der Rampe am Einstieg, die Hände an der wabigen Wand, den Kopf arg in den Nacken gedrängt, denke ich mir so “Scheiße, da haste dir was eingebrockt! Hätt’st du bloß dein’ Maul gehalten!” Aber was solls. Nun bin ich hier, nun gehts los.

Kurz nach dem Einstieg

Kurz nach dem Einstieg

Was darauf hin passierte war gigantisch. Ein Klettererlebnis der anderen Art, onsighten auf einem Niveau, das man in keiner Sportkletterei finden kann. Im Film “The Sharp End” wird sehr treffend beschrieben, was Klettern in Sachsen heißt: “Alle Talismänner die du hast werden dir genommen. Kein Chalk um die Hände trocken zu halten, keine soliden Haken, die Sicherheit bedeuten und den Weg weisen. Alles was bleibt bist Du und der Fels.” (frei übersetzt) So bewegt man sich nun in einer “Blase des Moments”, in einem “Hier und Jetzt” langsam höher. Manchmal wird dieser Flow-Zustand durch Gefühle der Angst, des Respekts vor der Gefahr, unterbrochen und man versucht diesen Ängsten durch innere Gespräche zu begegnen, sich zu beruhigen.

Noch vor dem ersten Ring

Noch vor dem ersten Ring

Ringe beruhigen ungemein. Hat man den ersten des Talweges in 25m Höhe geklippt, fühlt es sich an als habe man einen Anker in rauer See ausgeworfen.

Bis zu dieser Insel der Sicherheit konnte ich am 23.11.09 klettern. Dann kamen Olli und Tobi zum Ring. Tobi kletterte dann noch zum zweiten Ring, wir hinterher, bevor wir auf Grund der einsetzenden Dunkelheit abseilten.

Teil 2
28.11.09. Olli und ich habens wieder zum Höllenhund geschafft. Wie am Samstag vor einer Woche klettere ich die erste Seillänge und hänge die zweite gleich noch dran. 50m Klettergenuss!
Am zweiten Ring endet für mich ein tolles Vorstiegserlebnis, nicht aber der gigantische Weg. Olli klettert zu mir rauf und beendet in klassischer Wechselführung unsere Begehung. Als ich zu ihm auf den Gipfel nachsteige, kommt Gipfelglück auf, das ausreicht die Kälte und die Dunkelheit Nebensache werden zu lassen.

Mit Olli am Gipfel

Mit Olli am Gipfel

Schnell der Eintrag ins Buch, Abseilen mit Stirnlampe und auf nach Dresden, um das gut verdiente Gipfelbier zu genießen!

Post Skriptum
Für die sächsischen Locals ist dieser Weg bestimmt “nur” ein Genussweg, für mich war die gemeinsame Begehung mit Olli, und das Herantasten ein Wochenende zuvor mit Tobi, ein großes Erlebnis und verdient den Beitrag, der hoffentlich einen ganz kleinen Teil dieses Abenteuers rüberbringen kann.

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3 Antworten zu “Höllenhund”

  1. olli sagt:

    sehr gut getroffen :) jetzt muss ich ihn nur selbst noch vorsteigen. aber es wird wohl noch ein wenig dauern, bis der schnee getaut, die felsen getrocknet und die temperaturen wieder zum klettern anmuten lassen. bis dahin geht es wohl noch das ein oder andere mal ins eis.
    nichts desto trotz, ich freu mich schon drauf!
    grüße aus dresden

  2. Frank sagt:

    Ganz großes Kino; schreibe mehr, es ist ein Genuss und dieses Talent sollte man nicht verschenken.

  3. Stefan sagt:

    War vorletztes Wochenende in Sachsen und endlich wiedermal schrammige Hände geholt. Um den Rathener Sandkasten haben wir aber einen Bogen gemacht. Talweg wäre mir bestimmt gelungen, allerdings hatte ich auch erst am vierten Tag wieder die Ruhe und die Füße mußten sich auch erstmal wieder von Hallensandstein auf rieselige Reibung umstellen :) .War zum ersten Mal in den Affensteinen- schönstes Gebiet, was ich bisher gesehen habe und im Schmilkaer Kessel.

    Gruß
    Stefan

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