Will Gadd – Anmerkungen zu den Geschwindigkeitstricks

Da es auf rockclimbing.com wohl einige Diskussionen um Will Gadds Beitrag Simple Tricks for Speed on Multi-Pitch Ice Routes gab (hier meine Übersetzung) hat er nun noch einmal ein paar aufgekommene Fragen in einem weiteren post, Notes on Simple Tricks for Speed, auf seinem Blog beantwortet. Auch diesen Beitrag hab ich mal ins Deutsche übertragen.

Will Gadd:

“… – Wir benutzen nicht unbedingt um Gewicht zu sparen ein Einfachseil (auch wenn es eine Knappe Sache wäre, zählt man die Gramm/Meter zusammen und vergleicht) sondern weil der Stand so sehr viel organisierter bleibt und man es generell (beim (Führungs-) Wechsel) am Stand viel schneller handhaben kann. Zwei Vorstiegsseile werden immer in einem Durcheinander enden wenn sie einmal etwas eisig werden oder man an einem Hängestand ist, besonders wenn man im Block führt und das Seilende des Vorsteigers so “unter” dem restlichen Seil liegt. Dazu kommen noch die Handschuhe, kalte Hände, Müdigkeit usw. Und ein Einfachseil ist eben manchmal einfach das Beste. Ich benutze Zwillingsseile, Halbbseile und Einfachseile, immer in Abhängigkeit von der Situation. Jedes der Seile hat seinen Anwendungsbereich. Für lange Routen mit relativ dickem Eis und ohne einen größeren Zustieg (mehr als einige Stunden) benutze ich ein 70 oder 80m Seil mit 9,2mm Durchmesser und zusätzlich eine 7,7mm starke Reepschnur (manchmal noch viel dünner aber das wird sehr technisch und ist den Ärger auch nicht immer wert) zum Abseilen. Die Reepschnur kommt entweder in den Rucksack des Seilzweiten oder der Vorsteiger, oder auch Nachsteiger, zieht sie hinter sich her; kommt drauf an was grad los ist.

- Ein guter Stand im Eisklettern ist der, von welchem aus man den Führenden oft nicht mal sehen kann. Eine Höhle, ein Schlupfwinkel oder irgendein anderer Platz an dem der Sichernde total geschütz vor herunterfallendem Eis ist, ist essentiell und solche geschützten Stände nicht zu bauen und nicht zu nutzen wenn man einen Block führt, ist eine Straftat die mit freiem hotelteuren Scotch für den Seilzweiten abgezahlt werden muss (solange er oder sie nicht im Krankenhaus gelandet ist). Aufmerksames Sichern ist immer gut, aber Eisklettern ist ein sehr anderes Spiel als hartes Felsklettern. In einer 70m Eisseillänge kletterst du oft fünf bis 10m über die Schrauben hinaus und die Hauptaufgabe des Sichernden ist es einen katastrophalen Sturz zu halten und den Vorsteiger möglichst nicht zu hart zu sichern. Natürlich gibt es Situationen in denen es auf jeden Zentimeter ankommt und ein gutes Team wird diese Situationen erkennen und angemessen handeln.

- Generell habe ich lieber einen Sichernden der mit Grigri sichert wenn er eine Stange Wasser in die Ecke stellt, ein Stück Pizza isst, etwas trinkt, eine Abalakov fertig stellt oder irgend etwas anderes erledigt was ein gutes Team in einer langen Route tut und ausmacht. Ich fühl’ mich dabei wohl, aber wenn das bei dir nicht der Fall ist, dann tue es auch unter keinen Umständen. Im Ernst, ohne sarkastisch zu sein, du musst deinen Sicherungspartner und die Situation einschätzen können. Manchen Partnern würde ich auch mit einem ATC vertrauen während sie alles oben genannte erledigen, bei anderen sehe ich mich lieber gleich in einem Solo, auch wenn sie mich die ganze Zeit beobachten. Nimm auf jeden Fall ein selbstblockierendes Sicherungsgerät um den Nachsteiger zu sichern. Es gibt keinen Grund das nicht zu tun.

- Alle diese Punkte haben das Ziel die Zeit am Stand zu verkürzen und die Kletterei insgesamt schneller zu machen. Es gibt wahrscheinlich sicherere Wege Dinge zu tun; vier Schrauben an jedem Stand, alle zwei Meter eine Schraube in jeder 70m+ Seillänge usw. Meine genannten Ideen um die Zeit an den Ständen zu verkürzen funktionieren jedoch gut in massiven und reinen Eistouren wie Polar Cicus, Willoughby Routen oder den meisten Norwegischen Eistouren.

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