Frankenklettern, welch’ ein Spass!

Es ist zugegebener Maßen recht ruhig auf meinem Blog geworden. Das liegt auch daran, dass ich im letzten halben Jahr nicht soo wahnsinnig viel zu berichten hatte. Nach der letzten tollen und erfolgreichen Saison lag eine lange Pause an. Die Motivation war teilweise weg und ich hab auch körperlich ein wenig Ruhe gut vertragen können. Das Klettern lief also eine Weile auf Minimalprogramm und vor allem in der Halle ab.

In den heimischen Gefilden, sprich den Felsen im Thüringer Wald, hatte ich grad mal zwei drei Klettertage verbracht, als ich am Himmelfahrtswochenende, ohne große Erwartungen, das erste Mal dieses Jahr nach Franken fuhr. Der unermüdliche Marko und die starke Alex hatten mich mal wieder mit raus gezerrt und ich muss sagen: Danke! Auch der Paul war mit am Start und einige “Pendler” gesellten sich zeitweise zu uns. Die Finns und ‘Kathy’ waren in ihrer neuen Kutsche angereist und schnupperten mal die gute Frankenluft. Auch Daniel ließ sich zwischen Monsterdiensten im Krankenhaus an die Felsen locken.

So viel Spass wie an diesem Wochenende hatte ich lange nicht mehr und zu allem Überfluss ging auch an den löchrigen Felsen mehr, als ich dachte. Die Betzensteiner Sportkletterwand bot ein paar leichte Touren zum eingewöhnen und neben Chalking Heads (8) die mir im Flash gelang, die Teststrecke (8+) welche ich unerwartet ebenso flashen konnte. Formtest: positiv!

Mit neuem Mut und viel Motivation gings die nächsten Tage in den Krottenseer Forst. An der Maximilianswand gelang mir ein Güllich-Testpeace erster Sahne welches mich vor zwei Jahren schon mal brutal abgeschmettert hatte! Der Amazonenpfeiler (8+) ist alles andere als leicht für den Grad und erfordert frankenuntypische Züge an und über einen Sloper. Technisch musste ich für meinen Durchstieg im gesamt 7. Versuch ziemlich tief in die Trickkiste greifen, konnte dann aber durch eine feine Ägypter-Toehook-Variante den Sloper statisch fassen, sortieren, eine Winzleiste mit links wegprügeln und zum rettenden “top”-Griff heppen. Die nächsten vier Meter waren reine Formsache. Fazit: Ein guter Kampf um einen tollen Klassiker mit hohem Technikanspruch – so wie ich es liebe!

Ein letzter Tag im Forst blieb noch. Diesen verbrachten wir in einem “anderen Raum”, der Vierten Dimension. Hier konnte ich noch einmal den Nachbrenner zünden und in meiner zur Zeit liebsten Begehungsart, dem Onsight, punkten. Das Fantastische Eck, was mit 8+ sicherlich leicht überbewertet ist, aber klettertechnisch feinste Kantenkletterei bietet, gelang mir ebenso wie die netten Touren In der Bewegung liegt die Kraft (8-) und Na gut (8-) im Onsight-Stil. Außerdem konnte ich Alles ist gut, was man gerne tut (8+) sowie Lass die Sonne rein (8-) flashen. Was für ein Wochenende!

Auf jeden Fall eins was Hunger auf mehr machte! Und so gings über das vergangene Pfingstwochenende mal wieder an die Schlossbergwand. Alte Erinnerungen kamen hoch, als ich unter dem Dezentralen Energiepfad stand. Vor drei Jahren war die Tour ein harter Kampf und im 12. Versuch, verteilt über drei Wochenenden, gelang mir mit diesem Brett mein damals erster Weg im unteren achten Grad.

Dieses Mal waren wir aber auf der Suche nach neuen Abenteuern. Die Schlossbergwand beherbergt nämlich ein weiteres Drei-Sterne-Schmankerl Fränkischer Kletterei welches uns in die kühle und steile Nordwand lockte. Liebe ohne Chance : “Sehr steile Ausdauerkletterei. Die flachen Griffe an der Crux haben schon so manchen Bewerber abgeworfen” heißt es im Topo. Davon wollten wir uns aber genauso wenig abschrecken lassen, wie von den zahlreichen Kletterern an der beliebten Wand und verbrachten ganze drei Tage, natürlich nicht nur wegen der “Liebe“, sondern auch wegen zahlreichen anderen tollen Klettereien, im Schatten der meist überhängenden Wand.

Die Ergebnisse fasse ich hier aus Zeitgründen kurz zusammen:
1. Tag: u.a. Invading Celts (8-) onsight, Ursus (8-/8) onsight. 2.Tag: u.a. ein “Hässliches Entlein (7, gefühlt aber min. 8- )” was neben der im Namen angedeuteten Hässlichkeit auch äußerst schlonzige, teilweise brüchige Griffe bot, und auch die Nerven mit einem ca. 6m-Runout zum Umlenker forderte im 1.Versuch nach dem gescheiterten Onsightversuch, 2 Versuche an der Liebe ohne Chance. 3.Tag: Im ersten Tagesversuch der Durchstieg der “Liebe” und damit, im nur dritten Versuch insgesamt, mein dritter glatter Neuner! Dala (8+/9-) im 1. Versuch nach einem sehr knapp am letzten Zug gescheiterten Flashversuch! Hammer!

Heute bin ich völlig platt und hundemüde, aber auch happy über ein tolles Wochenende mit zahlreichen Freunden am Fels (wir waren zu siebt: Tim mit Gips!, Olli und Rudi, der Alex, Marko und die Alex, sowie meine Wenigkeit) und die Tatsache, dass das Klettern am Fels momentan viel besser geht, als ich angenommen hatte!
Zur “Liebe” sei noch gesagt, dass die gestellten Anforderungen wohl so ziemlich genau dem entsprechen, was mir grad gut taugt! Um hochzukommen musste ich mich aber trotzdem mal ganz schön heftig festhalten und auch den ein oder anderen Fuß-Technik-Kniff auspacken ;-) !

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4 Antworten zu “Frankenklettern, welch’ ein Spass!”

  1. Heubs sagt:

    Alter Schwede, der Bert.
    Mensch, da legst du ja schon ordentlich nach. Freut mich, dass es so gut anläuft bei dir. Mit dem “Dezetralen” werden wirklich Erinnerungen wach, die richtig gut waren.
    Leider gibts hier nicht allzu viele Chancen auszureiten.

    Aber es kommt die Zeit, oho, in der das Klettern wieder klappt.

    Müssen mal wieder telefonieren, bevor ich in den Sommerferien nach Chile fliege.
    Gibt bestimmt auch drumherum ne Menge zu erzählen.

    Aber erst mal:
    WEITERMACHEN

  2. Frank sagt:

    Wow; lass mal von dir hören, bin nun in Jena unterwegs.

  3. Stefan sagt:

    Bist eben ein Naturtalent :) Wenig klettern, dann aber gut und schwer :)

    … und ich war gestern Abend am Koppenstein und die Direkte Gelbe Platte hat sich ergeben :)

    tschüß
    stefan

  4. Bert sagt:

    Naja, ganz so kann man das nicht sehen. Da lagen vier fünf harte Wochen Klettern, in der Halle wohlgemerkt, davor. Das ist zwar nicht so schön wie draußen klettern zu gehen, aber bringt unheimlich viel Strom für den Fels ;-)

    Glückwunsch zur Direkten, ich find die immer wieder richtig schwer und bissig!

    LG,
    rob

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