Goulotte Ravanel-Frendo

Eine weitere Tour in den Bergen, vor rund eineinhalb Wochen, war die Goulotte Ravanel-Frendo an der Aiguille Carrée. Das Topo gibt als Bewertung Folgendes an: 500m, II, 5. D.h. 500 Höhenmeter sind zu überwinden, bei überschaubaren objektiven Gefahren (II) und technischen Schwierigkeiten der Kategorie 5.

Real heißt das um sechs Uhr frühs aufstehen. Die erste Seilbahn auf die Gipfelstation der Grands Montets auf 3200m erwischen. Mit Skiern über Gletscher zum Einstieg der Tour abfahren. Ein Materialdepot für Ski und Skischuhe anlegen.

Paul am Stand in der Ravanel-Frendo

Die Bergschuhe anziehen. Sich mit Helm, Klettergeraffel, Steigeisen und Eisäxten bewaffnen. Ins Seil einbinden und losklettern. Zunächst über den Bergschrund und dann weiter über etwas steilere Firnhänge zum ersten Stand. Bei gleichzeitigem Aufstieg.

Mixedpassage

Von dort aus über erste 60° Eis- bzw. Mixedpassagen zu weiteren Ständen, weiteren Firnhängen, weiteren Eispassagen. Ein mit Eis gefüllter Kamin, 60°, eine Passage Eis von rund 80° und die Schlüssellänge mit einer Passage von 85°.

Schlüsselstelle

Das alles zwischen 3200 und 3700m. Ordentlich anstrengend also. Leider waren wir etwas zu langsam und konnten somit die letzten 150m zum Ausstieg nicht mehr beenden. Wir seilten also vefrüht ab. Runde zehn mal. Das braucht nat. auch etwas Zeit und somit war es schon halb acht als wir endlich wieder am Materialdepot angelangt waren.

Abseilen über der Schlüsselpassage

Natürlich war es auf Grund der vorangeschrittenen Stunde auch schon dunkel und ich war froh meine Stirnlampe eingepackt zu haben – Im Gegensatz zu meinem Partner Paul! (ein Abstieg ohne Licht in finsterer Nacht im Sommer 2003, nach der Besteigung der Aiguille de l`M, zwei Personen sollten sich jetzt daran erinnern, hatte mich gelehrt, diesen nützlichen kleinen Lichtspender nie wieder zu vergessen)

Nun also in stockdüsterer Nacht und Kälte in die gefrorenen Skischuhe. Klettermaterial inklusive Seile wieder in die Rucksäcke verstaut, dieselbigen geschultert, auf die Ski und runde 1800 Höhenmeter Abfahrt ins Tal!

Wohlgemerkt – Paul hatte keine Stirnlampe dabei und der erste Teil unserer Abfahrt, der über Gletscher führt, wurde somit um so interessanter! Er vorneweg, ich, uns beiden leuchtend, hinterher!

Die Pisten waren dann ein Klacks und somit erreichten wir um 20Uhr den Talboden und das Auto. Eine halbe Stunde Später dann eine heiße Badewanne, ein kühles Blondes und die Zufriedenheit über eine Wahnsinns-Tour.

Die Wechselführung hatte es mit sich gebracht, dass ich alle Schlüssellängen im Vorstieg geklettert bin und somit war die sich einstellende Befriedigung umso größer. Alles in Allem war dies wohl die technisch anspruchsvollste Tour die ich bis jetzt gemacht habe und der Erfolg, alle technischen Passagen gemeistert zu haben, ohne größere mentale oder technische Probleme, tröstet mich auch über die verfrühte Umkehr gen Tal hinweg!

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